Montag, 15. Oktober 2012

Surfen

-14.Oktober 2012-

Das vergangene Wochenende war wieder ein sehr schönes. Nachdem ich am Samstag endlich mal wieder richtig ausschlafen konnte (vergangenes Wochenende viel unser Schlaf wegen des Camps ja eher gering aus) erkundeten wir zusammen mit Zintle, Ongeziwe, Thabi und Mekedis Freundin die nahegelegene Vangate-Mall. Die Mädchen hatten große Freude daran in verschiedenste Outfits zu schlüpfen und alles mit ihrem Handy festzuhalten. Nur Ongeziwes Handy, das sie auf der Toilette vergessen hatte und welches schon kurze Zeit später verschwunden war, trübte die Stimmung etwas. Als wir schließlich viele Bilder später die Mall verließen, war es draußen schon dunkel und wir mussten uns sehr beeilen, da Adrian noch eine Verabredung mit den Schülern aus Hamburg hatte, die gerade hier sind und bei den Bauarbeiten für die Schreinerei helfen. Sie planen eine kleine Aufführung und brauchen dabei seine musikalische Unterstützung an der Gitarre. Bei dieser Gelegenheit ließen Ann-Christin und ich uns in Plumstead bei meinen Centre-Freunden absetzen. In der Dunkelheit und ohne richtige Straßenkenntnis erwies sich dieses Vorhaben jedoch als komplizierter als gedacht. Irgendwie schafften wir es aber schlussendlich mit Anruf-Navigation und großer Verspätung unser Ziel zu erreichen. Glücklich schloss ich meine Freundin Meike in die Arme. Natürlich freue ich mich auch immer sehr meine anderen auf dem Vorbereitungsseminar gewonnenen Freunde zu sehen, aber es ist einfach etwas besonderes meine Schulfreundin bei mir zu haben – ein Stückchen Heimat. Der Abend gestaltete sich sehr gemütlich und ich führte ein spannendes Gespräch mit einem Südafrikaner über Buddhismus, Vegetarismus und seine Weltanschauung. Ich finde es immer sehr schön mit Menschen darüber zu sprechen und sich auszutauschen. Man lernt neue Ansichten kennen und kann gleichzeitig ein Nachdenken über gewisse Dinge in Gang setzen. Ein Gespräch aus dem meist beide Gesprächspartner beschenkt hervorgehen.
Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre und begrüßte mich mit warmen Sonnenstrahlen. Perfektes Strandwetter – weit gefehlt! Als wir mit dem mit elf Menschen und 5 Surfboards bepacktem Pick up am Strand ankamen, blies uns ein starker, kalter Wind entgegen. Die tiefhängenden Wolken verbesserten die Situation nicht gerade und an Sonnen war nicht zu denken. Während die Mädchen sich dazu entschieden in ein Cafe zu sitzen, blieben die Jungs und ich zögernd im kalten Sog des Windes stehen. Sie hatten ihre Surfausrüstung dabei und auch ich hatte mir ein Board und einen Neobrenanzug geliehen. Zugegebenermaßen sahen die Wellen und das Wetter nicht gerade verlockend aus und die Tatsache, dass am vorigen Tag an eben diesem Strand zwei Haie gesichtet worden waren, trug nicht gerade zu einer Luststeigerung bei.  Doch die Hai-Flagge gab Entwarnung und nur zum frieren waren wir schließlich auch nicht gekommen. So schmiss ich mich in meine zweite Haut und sprang in die Fluten. Da ich noch nie surfen war hatte ich herzlich wenig Ahnung davon und war Gerd (auch Freiwilliger vom Centre den ich allerdings erst hier kennen gelernt habe) sehr dankbar, der mich an seinem Surfwissen teilhaben ließ und mir etwas Hilfestellung gab. Wir mussten jedoch bald bemerken warum wir so gut wie die einzigen Surfer weit und breit waren. Hinaus aufs Meer zu kommen war ein purer Kampf gegen die Wellen, den in meinem Fall meist die Wellen gewannen. Kaum hatte ich es geschafft mich 2m nach vorne bewegen, kam die nächste Welle angerollt und nahm mich wieder 10m Richtung Strand mit. Die Kälte jedoch war dadurch wie weggeblasen und es freute mich umso mehr, wenn ich dann eine Welle richtig bekommen habe. Trotz dessen, dass die Rahmenbedingungen nicht optimal waren, hat es mir unglaublich viel Spaß gemacht und ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, mir eine Surfausrüstung zuzulegen. Schließlich werde ich selten wieder eine so gute Gelegenheit bekommen, surfen zu lernen und vielleicht hilft es mir ja das Snowboarden nicht zu sehr zu vermissen. So war ich sehr glücklich als wir abends zu der, vom starken Wind umwehten, Farm kamen und ich erschöpft in mein Bett fallen konnte.

Freitag, 12. Oktober 2012

Platter Reifen

-12.Oktober 2012-
Nachdem die Sonne es mit ihren warmen Strahlen und der Unterstützung des nervtötenden Weckers geschafft hatte uns auch diesen Morgen aus unseren Betten zu locken und den Tag mit ein paar sportlichen Übungen zu beginnen, ließ unser tägliches Abenteuer nicht lange auf sich warten. Als Ann-Christin und ich Zintle zum Bahnhof brachten, mussten wir auf einmal ein seltsames Geräusch vernehmen, welches schon bald darauf von einem Besorgnis erregendem Ruckeln des Autos untermahlt wurde. Ein Blick aus der Tür bestätigte meine Vermutung. Ein Nagel hatte seine Spitze und unseren rechten Hinterreifen gebohrt und ließ die ganze Luft entkommen - wir hatten einen Platten. So hielten wir also an und standen genau an der Kreuzung, an der vor zwei Tagen ein Lkw völlig ausgebrannt mitten auf der Straße stand. Vermutlich war er überfallen und anschließend angezündet worden. Da Reifenwechseln jedoch nicht gerade zu unseren Spezialgebieten gehört, riefen wir den Projektgründer Florian an, der schon kurz darauf bei uns war und den Reifen wechselte. Im Gegensatz zu dem Schaden den wir an seinem Auto erblicken mussten, ist ein platter Reifen jedoch nicht mehr als etwas Sand auf dem Brot. Ein Lkw-Fahrer hatte wohl die Spur ohne Schulterblick (ich erinnere mich noch genau, wie der mir zu Fahrschulzeiten eingehämmert wurde) gewechselt und hinterließ bei dieser Gelegenheit ein mehr oder weniger kleines Andenken auf der gesamten linken Seite des Autos. Doch Florian hatte Glück im Unglück und der Fahrer ist Angestellter einer großen Firma und gehört somit zu den ca. 40% die eine Autoversicherung haben (hier in Südafrika ist eine Autoversicherung gesetzlich nicht vorgeschrieben). Nachdem also der Reifen gewechselt war und Ann-Christin und ich uns den eigentlich sehr einfachen Vorgang genau angesehen haben um das nächste Mal selbst ans Werk gehen zu können, konnten wir unsere Fahrt sicher fortsetzen. Unser neues Ziel war die Westgate Mall auf dessen Parkplatz mir freudig das Gesicht Nestols entgegen lachte. Wir haben uns schon länger nicht mehr getroffen und so freute er sich sehr, mich zu sehen. Ich musste so grinsen, als er der verduzt schauenden Ann-Christin erklärte „She’s my friend“. So macht einkaufen gehen richtig Freude! 
Der restliche Tag verlief dafür ganz wie gewohnt. Allerdings war heute die hochschwangere Kindergärtnerin zum letzten Mal da. Sie steht kurz vor der Geburt ihres Kindes und so wünschte ich ihr alles Gute für dieses großen Ereignis. Ich bin schon sehr gespannt, wann es denn so weit sein wird. Bis eine Vertretung gefunden wird, werden wir aber Sis Nomakhwezi die jetzt allein für die Kinder verantwortlich ist, noch stärker im Kindergarten unterstützen. Eine Arbeit, die sehr schön ist!
Inzwischen haben sich auch die Beziehungen zu den Jugendlichen des After School Cares vertieft und so scherzen wir neben den Übungseinheiten oft herum. Außerdem vermehrt sich mein Xhosa-Wortschatz Tag für Tag. Währen nur diese verflixten Klicklaute nicht..
Etwas anderes das mich Tag für Tag verwundert und mir sowohl bei den Taxifahrten als auch bei unseren Jugendlichen auffällt, ist die Kleidung vieler Menschen hier. Obwohl die schützenden Wände der meisten oft Wellbleche sind und obwohl viele von ihnen kein Badezimmer besitzen, schaffen sie es irgendwie unglaublich gepflegt auszusehen. Bei den meisten hätte ich niemals angenommen, dass sie in solchen Verhältnissen leben, wie sie in den Townships vorzufinden sind und deswegen erstaunt es mich jedes Mal, wenn topgestylte Mädchen und Jungs oder Business Frauen das Taxi verlassen und auf die nächste „Shack“ zusteuern.
Da ich seit zwei Wochen nicht mehr ausschlafen konnte, bin ich sehr müde und beende meine Eindrücke hier. Morgen ist ja zum Glück Samstag und ich kann meinen so dringend benötigten Schlaf nachholen.
U lale kam nandi!

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Tag 40

-10. Oktober 2012-

Der heutige Morgen und Vormittag war unglaublich schön und hat mir mal wieder das Gefühl gegeben ich erhalte mehr, als ich geben kann. Nachdem ich meinen gestrigen Tag vor allem im Auto auf den Straßen Kapstadts verbracht habe, durfte ich heute wieder viel Zeit mit den Kindern verbringen. Ihr fröhliches Lachen berührt mich immer sehr und es ist so schön aus den tiefbraunen Augen angestrahlt zu werden. Ich kann gar nicht richtig beschreiben was ich fühlte, als heute ein kleiner Junge eine Gemeinsamkeit von uns festgestellt hat. Er zeigte auf meine Augen, anschließend auf seine und sagte mit einem freudigen Grinsen „same“. Anschließend hauchte er mit ein „beautiful“ entgegen und küsste mich auf die Backe. Mich durchflossen Liebe, Glück und Dankbarkeit zur gleichen Zeit und lächelnd gab ich das Küsschen zurück.
Im After School Care standen heute seit langem endlich mal wieder die Projekte auf dem Tagesplan. Leider kamen die Kinder der Schule wegen so spät, dass uns nur ca. eine halbe Stunde zur Verfügung stand. Ich probierte heute mit meiner Gruppe verschiedene Pyramiden aus, die wir eventuell an der closing ceremony zeigen könnten. Weil wir jedoch wegen der ungewohnt kurzen Zeitspanne das Essen etwas zu spät richteten, bekamen wir wegen der daraus resultierenden Zeitverschiebung gleich etwas Rüge. Das nächste mal werden wir wieder pünktlicher sein!
Der Abend heute verlief ähnlich wie auch die letzten. Nachdem ich Lusanda heimgebracht hatte aßen wir und begannen unsere Erlebnisse in unseren Tagebüchern festzuhalten. Ich finde es sehr schön und auch wichtig abends noch einmal den Tag durchzugehen und sich mit dem Erlebten auseinander zu setzen. So bleiben einem viele Erinnerungen intensiver im Gedächtnis und oft entdeckt man Kleinigkeiten, die im Trubel des Tages untergegangen sind. So sitzen wir meist also schreibend im Neonlampenlicht unseres Zimmers, begleitet von der scharrenden Geräuschen der Eulen vor unserem Zimmern und beschäftigt mit dem Festhalten unserer Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen. 

Montag, 8. Oktober 2012

Kalk Bay

-8.Oktober 2012-
Heute war ein schöner sonniger Tag, den Ann-Christin und ich dazu nutzten endlich mal etwas mehr von unserem neuen Zuhause zu erkunden (aufgrund des Autoproblems kennen wir bis jetzt ja hauptsächlich die Townships Kapstadts). Da Adrian den vergangenen Donnerstag frei hatte und heute arbeiten musste, fuhr er uns ins Township Samora, von wo aus wir mit dem Sammeltaxi weiter in die Stadt fuhren. Hüfte an Hüfte, Schulter an Schulter sitzend und mit improvisierten zusätzlichen Sitzen, war die Taxifahrt auch dieses Mal wieder ein spannendes Erlebnis. Aus der Stadtmitte ging es dann mit dem Zug weiter nach Kalk Bay unserem Zielort. Kalk Bay ist ein kleines Fischerörtchen, das vor allem durch seine Antiquitätenläden und kleinen Cafes besticht. Ann-Christin und mich hat es aber vor allem mit seiner europäischen Bäckerei glücklich gemacht, in der wir köstliches Oliven-Ciabatta und ich ein mit Käse, Salat und Tomate belegtes Vollkornbrot erstand. Himmlisch!
Da uns jedoch ein strenger Wind um die nackten Beine pfiff und ich schnell bereute ein Kleid angezogen zu haben, hielten wir uns eher in Läden auf, anstatt nach den Walen Ausschau zu halten, die man hier mit etwas Glück zu dieser Jahreszeit beobachten kann. Wir werden aber bestimmt noch einmal zurückkommen und das Meer nach diesen wundervollen, friedlichen Tieren absuchen. Der Ausflug hat sich aber auch gelohnt, weil ich neben einer wunderschönen Mala (buddhistische Gebetskette) ein schönes, neues Tagebuch gefunden habe. Wegen der vielen Erlebnisse die ich hier mache, hat allein der September mein erstes Tagebuch gefüllt. Mein bisher im Oktober erlebtes findet sich auf Blättern wieder, die ich wahrscheinlich morgen in mein neues Tagebuch (der Umschlag ist kunstvoll mit getrockneten Palmenblättern geschmückt und eine dünne Schnur formt den Schriftzug „Cape Town“) kleben werde. Die Rückfahrt verlief ebenfalls wie die Hinfahrt ohne weiter Probleme. Zwar wurden wir etwas verwundert angesehen als wir am Taxipunkt angaben nach Samora zu wollen, aber wir fanden mit der Hilfe freundlicher Passanten unter den unzähligen Taxis schnell das richtige und kamen so noch vor der Dunkelheit sicher auf der Farm an. Während unseres Zwischenstops an unserem normalen Einkaufsladen, mussten wir zum ersten Mal so etwas wie Rassismus uns gegenüber erleben. Ein farbiger Mann der hinter uns an der Kasse stand, bläffte uns auf einmal an woher wir kommen würden und dass wir nach Exkrementen stinken würden. Ich wurde sehr wütend auf den Mann, der uns grundlos so etwas an den Kopf warf (schließlich war mein Parfum teuer ;) ) aber inzwischen tut er mir leid. Solche negativen Emotionen sind meist nicht ohne Grund vorhanden. Es ist nur einfach sehr traurig, dass es oft nicht einmal Erwachsene schaffen nicht zu verallgemeinern und sich ihrer Wut willkürlich entladen. Die freundlichen Verkäufer an unserem Stamm Obst und Gemüse Stand an der Straße, die sich immer freuen uns zu sehen, heiterten mich jedoch wieder auf und zeigten mir, dass Erlebnisse wie diese trotz alledem eher Ausnahmefälle sind.

Wochenendencamp

-5.-7.Oktober 2012-
Dieses Wochenende hatten wir zum Abschluss der trainingsintensiven Woche ein Camp für die Hortkinder. Da dieses Camp eine Überraschung werden sollte liefen alle Vorbereitungen im Geheimen ab und unser Zimmer wurde von Toaststapeln und sonstigen Lebensmitteln in Beschlag genommen. Nur die Eltern wussten bescheid und packten im voraus die Sachen für ihre Kinder, die wir zuvor heimlich zur Farm gebracht hatten. Als am Freitag die Kinder wie gewöhnlich darauf warteten von John heimgebracht zu werden und startbereit vor dem Bus standen, offenbarten wir ihnen die Überraschung. Ein Schwall von Freudenschreien erfüllte die Luft und die Projektleiterin Bongi wurde unter den glücklichen Kindern begraben. Es war so schön, wie sehr sie sich freuten! Da der nächste Tag anstrengend werden sollte war schon um 22:30 Uhr Nachtruhe (die Halle wurde mit den Matratzen des Kindergartens zu einem Schlafsaal umgewandelt) und ich war erstaunt, wie schnell alle schliefen. Das hatte ich von mir früher in vergleichbaren Situationen anders in Erinnerung.
Der nächste Tag begann um 9 Uhr mit reichlich Frühstück, gefolgt von einer längeren Übungseinheit. Wir drei Freiwilligen nutzen die freie Zeit um uns das erste Mal intensiv mit dem Thema Auto auseinander zusetzen und begannen damit eine vorher gekaufte Zeitung durchzuarbeiten. Da mein Wissen über Autos sich jedoch auf die Größe einer Erdnuss beschränkt und auch Ann-Christin und Adrian kein Quiz unter dem Motto „wie erkenne ich ein gutes Auto“ gewinnen würden, fiel das Ergebnis eher schwach aus. Daher bin ich umso dankbarer, dass Florian, Projektleiter und –gründer, uns seine Hilfe beim Autokauf angeboten hat. Jetzt hoffe ich nur, dass er unter den vielen Dingen die er zu erledigen hat auch ein bisschen Zeit für uns findet. Den Nachmittag verbrachte ich dann vor allem in meiner Tanzgruppe und mit den älteren Mädchen, mit denen ich zusammen ein Tanz-Drama einstudierte. Das Thema war wie sehr man unter äußeren Einflüssen leiden kann und wie wichtig es ist, sich selbst zu finden. Begleitet wurden wir dabei von Adrian mit der Gitarre und Gesang. Da am Abend eine Aufführung für Schüler aus Hamburg stattfinden sollte, die gerade hier sind und bei den Bauarbeiten für eine Schreinerei helfen, hatten wir auch gleich die Möglichkeit das erprobte aufzuführen. So fand ich mich auf einmal in traditioneller Tanzkleidung auf der Bühne inmitten junger Xhosa-Mädchen wieder, die tanzen können als würden sie den lieben langen Tag nichts anderes machen. Der Tanz war super aber dann kam das Solo. Ich hatte erst kurz davor erfahren, dass wir ein Solo machen müssen und kurzfristig schnell noch eins einstudiert. Leider hatten wir es davor noch nie mit der Trommel zusammen geprobt und so passte der Beat der Trommel nicht zu dem Solo das ich gelernt hatte. Mit Schrecken musste ich diese Unübereinstimmung feststellen und begann um mir nichts anmerken zu lassen, zu improvisieren. Ich war so unglaublich froh, als ich mich wieder in die Reihe einordnen konnte und hoffte nur inständig, dass es nicht all zu seltsam ausgesehen hatte. Zwar war die Rückmeldung nur positiv und viele schienen es gar nicht bemerkt zu haben, aber ich hatte mir in diesem Moment einfach nur gewünscht, die Erde würde sich öffnen und mich in ihr verschlingen. Trotzdem war der Abend sehr schön und als die Zabalaza-Gruppe einige ihrer Lieder sang, berührte es mich sehr und eine tiefe Bewunderung für die Kinder und Jugendlichen erfüllte mich.
Als am nächsten Tag die Kinder die Farm gegen 13 Uhr verlassen hatten, legte sich wieder eine angenehme Stille über die Farm. Da ich das Bedürfnis hatte mich neben dem Morgensport mal wieder richtig intensiv zu verausgaben, verbrachte ich drei Stunden mit Seilhüpfen, Trampolin springen und Muskeltraining. Das tat wahnsinnig gut und beim Trampolinspringen sowie auch bei der Autofahrt bei der ich alleine im Auto vor Freude schrie, erfüllte ein großes Glücksgefühl jeden Teil meines Körpers.
Müde und erschöpft von dem Wochenende schlief ich schnell ein und war froh, dass Ann-Christin und ich als Ausgleich den Montag frei bekommen haben.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Waschmaschine & elektrisches Tor

-3.Oktober 2012-
Da diese Woche eine Ferienwoche ist, ist die Anzahl der Kinder im Kindergarten relativ gering. Dafür füllen jedoch die Rufe der Hortkinder unsere Hallen schon zwei Stunden früher als normalerweise aus. Eigentlich hatte ich angenommen die Zeit gut für mein Zirkusprojekt nutzen zu können aber ich habe mich geirrt. Da diese Woche auch die Internatsschüler jeden Tag anwesend sind und nicht wie gewöhnlich nur Freitags, konzentrieren wir uns gerade auf die Altersgruppen. Das heißt für mich tägliches Schwitzen mit meiner Tanzgruppe (wir haben den Tanz inzwischen vervollständigt und müssen uns jetzt Gedanken darüber machen wie wir auf die Bühne kommen und wie wir sie verlassen wollen) aber folglich leider auch eine Trainingspause mit meinen Zirkuskindern.
Meine heutige Abholfahrt einiger Kinder aus dem Township Nyanga erwies sich als chaotischer als angenommen. Die Scheibenwischer und die Lüftung des Autos versagen gerade in ihren Aufgabenbereichen was zur Folge hatte, dass ich aus dem kleinen Auto, gefüllt mit acht Jugendlichen und einem kleinen Mädchen, überhaupt nichts sah. Die Scheiben beschlugen und die einzige Möglichkeit die Frontscheibe vom Regenwasser zu befreien war das Rausspringen an der roten Ampel und das Anwenden der Handwischtechnik. Glücklicherweise beherrschte diese einer der Jungs fehlerfrei und so schafften wir es doch die Wege zu finden und wohlbehalten auf der Farm anzukommen. 
Da die alte Waschmaschine leider nicht mehr zu retten war, kaufte ich gestern zusammen mit der Projektleiterin Bongi eine neue Waschmaschine. Die Waschmaschine ist für die Wäsche aller hier lebenden Menschen verantwortlich. Da sich in der Waschmaschinen freien Zeit die Wäsche turmweiße angesammelt hatte, wird die neue Waschmaschine gleich zu Beginn auf eine harte Probe gestellt. Seitdem sie angeschlossen ist, wurde ihr kaum eine Pause gegönnt und es betreten Menschen unser Zimmer, deren Körper von einem Haufen Wäsche verdeckt wird und wir nur an den Beinen erraten können um wen es sich handelt.
Ein weiterer Höhepunkt des gestrigen Tages war das feine Vollkornbrot, dass ich zwischen diversen Fahrten backte und welches wir gestern zum Abendessen genossen. Wie habe ich nur sättigendes Brot vermisst! Wir haben uns vorgenommen auch in Zukunft Brot öfter selber zu backen denn es erfreut sowohl den Magen als auch den Geldbeutel.
Gestern Abend wurden außerdem die Bauarbeiten für das elektrische Tor beendet. So kamen Ann-Christin und ich heute morgen allerdings an das Tor um joggen zu gehen und hatten keinen blassen Schimmer, wie wir es öffnen sollten. Einfach aufschieben ist nicht mehr möglich und die Fernbedienungen zum öffnen wurden uns noch nicht übergeben. Wir ließen uns jedoch nicht von unserer morgendlichen Bewegung abhalten und funktionierten den Spielplatz kurzerhand für ein kleines Zirkeltraining um. Das elektrische Tor hat zwei bedeutende Vorteile. Erstens ist das Tor jetzt fest und kann nicht mehr einfach aufgeschoben werden und zweitens können wir es nun vom Auto aus betätigen und müssen nicht immer aussteigen wie es bis jetzt der Fall war. So verbessert es unsere Sicherheitslage noch einmal sehr und wir können beruhigt schlafen. In diesem Sinne – u lale kam nandi!

Dienstag, 2. Oktober 2012

Nacht- und Strandleben

- 29. / 30.September 2012-
Das vergangene Wochenende war wohl das Schönste, das ich bisher hier verbringen durfte. Es war ein verregneter Samstag Mittag und der Himmel war mit schweren Wolken behangen. Als ich jedoch das Gesicht meiner Freundin Meike zwischen den Gitterstäben unserer Tür entdeckte, ging die Sonne auf. Sie war mit Erik (einem weiteren Freiwilligen des Centres for Creative Education) gekommen um uns abzuholen da wir planten das Wochenende bei ihnen im Haus zu verbringen. Die Lebenssituation der CCE-Freiwilligen unterscheidet sich stark von unserer. Sie sind auf drei verschiedene Häuser aufgeteilt, in denen jeweils um die dreizehn Freiwilligen leben. Das Haus in dem Meike und all die anderen leben die ich auf dem Vorbereitungsseminar kennen gelernt habe, ist sehr gemütlich eingerichtet. Die Atmosphäre ist sehr wohnlich und im Garten befindet sich sogar ein Pool. Die Gegend in der sie wohnen scheint etwas wohlhabender zu sein was jedoch die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen nicht entschuldigt. Abends begaben sich dann die Mehrzahl der Freiwilligen aus allen drei Häusern in die Stadt. Wir fuhren mit dem Pick up den sich die Jungs neu zugelegt hatten und erreichten nach einem verlorenen Vorfahrer und telefonische Wegweisungen schließlich doch unsere Ziel, die Longstreet. Voller Spannung, was der Abend wohl mit sich bringen wird sammelten wir uns alle an einer Stelle um zu überlegen, wie wir vorgehen sollten damit der Abend gut wird. Wir kannten uns überhaupt nicht aus und entschieden uns daher auf gut Glück einen guten Club zum Tanzen zu suchen. Diese Taktik erwies sich als sehr erfolgreich und als wir in einer Seitenstraße die leuchtenden Lettern „free entree“ lasen und davor eine Schlange voller feierfreudiger Menschen entdeckten wussten wir, dass wir richtig waren. Der Club platzte aus allen Nähten und doch hat es mir sehr gut getan endlich mal wieder richtig zu tanzen. Da wir aber trotz der vielen Menschen als weiße Gruppe sehr auffielen, waren vor allem wir Mädchen permanent damit beschäftigt verschiedenste Anmachversuche abzuweisen und gewisse Abstände zu unseren Mitmenschen einzufordern, was sich mit der Zeit als sehr anstrengend erwies. Trotzdem war der Abend sehr schön und mein erstes Mal feiern in Kapstadt ein voller Erfolg! Als wir uns gegen drei Uhr nach draußen begaben, war die Straße noch immer wahnsinnig belebt mit tanzenden und singenden Menschen.
Nach einer sehr erholsamen Nacht an dessen morgen ich sogar meine Wärmflasche aus meinem Schlafsack verbannte (bei uns undenkbar) konnten wir mit Freude die Sonne begrüßen. Perfektes Strandwetter, welches wir auch als solches nutzen. Mit dem Pick up (die Ladefläche gefüllt mit einem Surfbord, zwei Menschen und jede Menge Rucksäcken) ging es auf zum Strand und zu meiner ersten Begegnung mit dem Meer in Südafrika. 

Von links nach rechts: Anna, Erik, Meike, ich & Gabriel
Der Tafelberg, das Meer und die vielen Surfer - ein Anblick zum verlieben! Ich konnte gar nicht fassen, dass dies wirklich zu der Umgebung gehört, in der ich das nächste Jahr verbringen werde. Welch ein Geschenk! Da ich meinen Bikini nicht dabei hatte (wer hätte gedacht, dass es so schön werden würde) fiel das Baden in dem doch sehr kalten Atlantik leider flach für mich. Mit Volleyball und den vielen netten Menschen wurde es aber trotzdem ein sehr schöner Tag.
Mit einem sehr feinen Essen habe wir anschließend den Abend ausklingen lassen, bevor wir wieder nach Hause auf die Farm gebracht wurden. Obwohl ich erst ein Monat hier bin verspürte ich schon das schöne Gefühl des Heimkommens in das Vertraute. Das Wochenende hat mir noch mal ein ganz anderes Südafrika aufgezeigt als jenes, das ich bisher hauptsächlich erleben durfte. Ein Südafrika mit schönen Häusern weit weg von der Armut und den Wellblechhütten, den „Shacks“ die mich unter der Woche begleiten. Zwei Welten die so nah bei einander existieren und doch von einem riesigen Graben getrennt werden. Ein Zustand der mich sehr traurig macht und nachdenklich stimmt.
Wenn ich daran denke schon ein Monat hier zu sein fällt es mir mal wieder sehr schwer mir die Zeit linear vorzustellen. All meine Erfahrungen waren neu und so unglaublich intensiv, dass die Zeit wie im Flug verging und wüsste ich die Daten nicht, ich hätte niemals angenommen schon so lange hier zu sein. Ich bin außerdem sehr überrascht von mir, wie gut ich das Thema Heimweh meistere. Ich hatte angenommen vor allem am Anfang stark unter Heimweh zu leiden was sich jedoch glücklicherweise als Irrtum herausgestellt hat. Ich denke sehr oft an meine Familie, meine Freunde und all jenes das ich zurück gelassen habe doch selten mit einem traurigen Herz. Ich verspüre vielmehr eine große Dankbarkeit meinem Leben gegenüber einen solchen Rückhalt zu haben und gleichzeitig solche Erfahrungen machen zu können. So durchströmt mich bei dem Gedanken an meine Lieben vor allem Glück und ich hoffe, dass ich es schaffe diese Empfindung auch durch den nächsten Monat zu tragen!